Jede Woche kommen ein paar mehr Menschen an der Küste von Lesbos an

so werden die Menschen dann meist von Schmugglern an einem uneinsehbaren Küstenstück "ausgesetzt"
So werden die Menschen dann meist von Schmugglern an einem uneinsehbaren Küstenstück „ausgesetzt“

Im Oktober gab es ein paar mehr Boote in unserer Region des Nordosten von Lesbos. Ein paar Mal konnten wir in der Käserei so den Menschen zumindest bis zur Ankunft des Polizeibusses eine kurze Verschnaufpause bieten, Kleidung wechseln, einen warmen Tee trinken lassen usw.

Das besondere der letzten Ankünfte ist, dass die Boote weitestgehend nicht selbst von den Geflüchteten gefahren werden, sondern dass sie mit Schmugglern aus der Türkei kommen, das bedeutet einerseits eine sicherere Überfahrt, andererseits sicherlich mehr Geld, das bezahlt werden muss und vor allen Dingen verstecktere Ankunftsorte.

So brauchten wir in einigen Fällen eine ganze Weile bis wir die Menschen an der Küste ausfindig machen konnten. In Zusammenarbeit mit anderen Organisationen hier im Nordosten ist uns das, Gott sei Dank, immer gut gelungen.

Die Temparaturen sind seit gestern gesunken, so dass es jetzt wieder wichtiger wird einen schnellen Transport zur nächsten Station zu gewährleisten. Leider ist zwar die Infrastruktur da, doch es fehlt am politischen Willen die Menschen nach der Ankunft gut zu versorgen. Die Frontex- und Küstenwachenpolitik will weiterhin einen schnellstmöglichsten Abtransport nach Moria, ins geschlossene Registrierungslager veranlassen, egal ob die Menschen durchnässt sind, hungrig oder was auch immer. In Moria sind mittlerweile 5000 Menschen auf einem Gelände für 1500 und bilden Schlangen für jede Decke, jedes Sandwich usw. Winterfest ist Moria sicher nicht. Und viele von den dort lebenden Menschen befinden sich nun schon über 3 Monate dort. Alle anderen Unterkünfte auf der Insel für besonders Schutzbedürftige usw. sind voll. Es gibt soweit keinen Plan B.

Menschen schlafen zu Beginn des Winters also wieder auf Kies, ausserhalb der überfüllten aufgestellten Zelte in Moria.

Was uns als Team hier vor Ort meist bei der Ankunft der Boote schockt, ist, dass die Menschen kaum wissen, dass sie die Insel nicht verlassen können bis ihr Asylantrag geprüft wurde, und das kann lange dauern. Viele haben keine Ahnung von der Situation, in die sie sich gerade begeben.

Die Routen der Ankunft ändern sich also monatlich. Während im August und September 2016 die meisten Boote direkt von der Küstenwache und Frontex auf See abgefangen worden sind um sie nach Skala Sykaminias oder gleich Mytilini zu bringen, sind es nun wiederum kaum zugängliche Strände, an denen die Menschen spät in der Nacht auftauchen. Soweit sind wir mit Schlafsäcken, Decken, Heizung und heissen Tee in der Käserei so gut vorbereitet wie es eben geht, für das was da kommen mag.