„Ti na ginei?“

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Heute keine Busse. Tausende Menschen sitzen fest oder trotten über den heißen Asphalt Richtung Inselhauptstadt. Wir sind wütend und traurig. Und wir machen mit größter Anstrengung kleine Schritte, um unseren Beitrag für eine friedliche und menschenwürdige Lösung zu leisten … oft von schweren Zweifeln geplagt, ob das am Ende wenigstens IRGENDEINEN Sinn ergibt.
Aber dann sind da wieder Männer, Frauen und Kinder, denen wir wenigstens für einige Stunden das Gefühl geben können, dass hier jemand ist, der sich um sie kümmert. Vielleicht ist es das ja schon. Und natürlich jene medizinischen Notfälle, um die sich auch heute wieder Tobias und Vanessa auf ihren Patrouillenfahrten entlang der Küste kümmern. Gestern Abend war da ein Mann, der bei der Landung mit dem Schlauchboot so unglücklich auf einen Felsen geprallt war, dass die Kopfhaut quer über den Schädel aufplatzte. Nicht lebensbedrohlich, so eine Verletzung. Aber es ist doch gut, in so einer Situation einen Arzt vor Ort zu haben …
Währenddessen schreiten die Arbeiten auf unserer Baustelle in Klio unerträglich langsam voran. Heute soll endlich das Wasser angeschlossen werden, wann der Strom kommt, scheint dagegen noch unklar. Und im Hafen von Mytilini sind Sondereinheiten der Polizei aufgezogen, die man vom Festland herangebracht hat. Sie stehen hunderten verzweifelten Flüchtlingen gegenüber, die nur eines wollen: weiterziehen. Doch ohne Registrierung darf niemand die Fähren besteigen. Und die Registrierung stockt. Angeblich haben wütende Syrer im sogenannten „Camp“ Kara Tepe (in Wahrheit ein stinkendes Chaos aus wackeligen Zelten, Dreck und tausenden dort gestrandeten Flüchtlingen) den dort eingerichteten Polizeiposten angezündet.
„Ti na ginei“, sagen die Griechen, „was soll das noch werden?“ Wir wissen es auch nicht.