Die Flüchtlinge wehren sich

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Die Verhältnisse im Hafen von Mytilini sind unerträglich geworden: bis zu 800 Flüchtlinge drängen sich bei der unausweichlichen Registrierung vor einem einzigen (!) besetzten Schalter. Polizei, Küstenwache und sogar das Militär gehen in Stellung – und prompt kommt es zur Gewalt. Flüchtlinge wehren sich mit Zeltstangen gegen die Schlagstöcke der Beamten. Daraufhin wird der Hafen abgeriegelt. Die Küstenwache stellt vorübergehend komplett den Betrieb ein – auch die wenigen Busse, die bisher die Angekommenen aus allen Teilen der Insel abgeholt haben, werden zurück beordert. Heute geht nichts mehr. Die Straßenkreuzung beim Dorf Skala Sikamineas hat sich in ein riesiges Nachtlager verwandelt, als Tobias dort seine abendliche Runde macht. Später in der Nacht fährt Julian noch einmal dieselbe Strecke ab. Viele Menschen liegen schlafend auf dem warmen Asphalt, jeweils einer der Flüchtlinge versucht herannahende Autofahrer durch das Schwenken einer Taschenlampe vor der Gefahr zu warnen. Die Vorstellung, dass jemand in Europa durch einen Unfall verletzt wird, der zuvor aus einem Kriegsgebiet entkommen war … entsetzlich. Und realistisch.