Ein weiterer Paramedic

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Mittlerweile wissen wir von Panaiotis, dass er zwar einige schwere Brüche erlitten hat, aber nicht in Lebensgefahr schwebt. Wir sind erleichtert und freuen uns umso mehr, dass mit Vanessa, eine weitere Paramedic aus England unser Team für ein paar Wochen verstärkt. Fast als wäre es so geplant, begleitet uns heute ein Holländisches TV Team und berichtet über unsere Arbeit. Sie sind live dabei als am morgen drei Boote am Strand von Skala Sikamineas ankommen. Nachdem wir sichergestellt haben, dass alle wohl auf sind, fahren wir ins am Berg gelegenen Hauptdorf Sikaminea, um bei den bereits dort wartenden Flüchtlingen eine medizinische Versorgungen vorzunehmen. Neben kleineren Verletzungen treffen wir auf einen Mann, dessen Zehen bereits abgestorben sind und weiten Teilen seiner Füße das Gleiche droht. Wir fragen uns, wie der Mann mit den Verletzungen so weit gekommen ist, aber angesichts der Dinge, die Flüchtlinge auf ihrem Weg bis hierher erleben, blieb ihm wohl keine andere Wahl. Medizinissche Versorgung hat er jedenfalls schon länger keine erhalten. Nachdem Tobias und Vanessa erstversorgt haben, stellen wir sicher, dass er mit dem nächsten Bus nach Mytilini kommt, damit er ins Krankenhaus kommt. Nachdem sich das TV Team durch eingige Situationen einen Überblick über unsere Arbeit verschaffen konnte, fahren wir nach Mantamados. Wir setzen uns mit unserem Kollegen Ben von ‚Ärzte ohne Grenzen‘ in Verbindung, um für die zum Teil bereits seit zwei Tagen wartenden Flüchtlinge einen Bus zu organisieren. Unter ihnen sind zahlreiche Kranke, schwangere Frauen und Kleinkinder, die sich den Marsch nicht zutrauen. Ben versichert uns den Bus zu schicken, bittet uns aber dazubleiben, um mitzuhelfen, einen möglichst geregelten Einstieg in den Bus zu ermöglichen. Denn nach den Erfahrungen der letzten Tage sind viele Busfahrer mit der Situation alleine überfordert. Verständlich, wenn nur 50 Plätze für 100 Wartende vorhanden sind und alle darum bitten auf den Bus zu kommen. Auch für uns immer eine schwierige Situation. Denn wer hat nach den Kranken, schwangeren Frauen und alten Menschen ein Anrecht auf die wenigen verbleibenden Plätze und wer nicht? Nur viel Reden hilft schließlich den Bus einigermaßen reibungslos mit Menschen zu besetzen. Der Rest macht sich danach umgehend zu Fuß auf den Weg, damit sie nach voraussichtlich nach sieben Stunden Fußmarsch wieder bei ihren Familien sein können.