Noch einmal gut gegangen…

Nachdem wir in den letzten Wochen weniger Ankünfte im Norden hatten und die meisten Boote im Süden von Mytilini ankamen hatten wir gestern und heute wieder Bootsankünfte im Norden. Während die gestrige Ankunft reibungslos verlief und wir die Angekommenen zügig zur Käserei transportieren und dort versorgen konnten war der morgendliche Alarm heute wesentlich kritischer. Ein größeres Boot mit ca. 100 Menschen war vor dem Hafen von Palios am sinken und einige Menschen bereits im Wasser als wir die Nachricht erhielten. Glücklicherweise war das Seenotrettungsteam von SeaWatch bereits vor Ort und hatte mit dem Bergen der Menschen begonnen und schnell konnten wir mit den Gruppen im Norden gemeinsam eine Notfallrettung organisieren. Über Whatsapp, über das meist die Koordinierung abläuft, haben wir schnell weitere Rettungsboote und Hilfe an Land organisiert, so dass neben SeaWatch bald zwei weitere Rettungsboote zur Stelle waren und die Leute zügig vom sinkenden Schiff retten konnten. Im Hafen standen dann das Ärzte ohne Grenzen, das CK Team und wir bereit um die zum Teil komplett nassen und unterkühlten Menschen zu versorgen. Auch dabei war unser gestern angekommenes neues Teammitglied und Arzt Johannes, der die nächsten Monate unser Projektarzt sein wird. Gemeinsam konnten wir die teilweise unter Schock stehenden Menschen mit Decken und im Auto aufwärmen. Johannes versorgte einige unterkühlte Kinder, von denen eins ernsthaftere Symptome zeigte und schnell ins Krankenhaus nach Mytilini gebracht wurde. Die restlichen Angekommenen wurden mit Fahrzeugen ins Ärzte ohne Grenzen Camp nach Mantamados gebracht, wo sie trockene Klamotten und Schuhe bekamen. Wir holten jede Menge Schuhe aus unserem Lager in der Käserei und brachten sie ins Camp, wo sie fast gänzlich verteilt wurden.

Dass die Notsituation heute morgen glimpflich verlaufen ist und niemand zu Schaden gekommen ist, ist unter anderem dem gut funktionierenden Netzwerk aller NGOs und Freiwilligengruppen zu verdanken. Es ist natürlich immer schwer so eine Vermutung anzustellen, aber es ist sehr gut möglich, dass ohne die Hilfe der Seenotrettung und der Spotter an Land heute morgen Menschen hätten sterben können.

Dementsprechend wollen wir sowie denjenigen, die heute morgen vor Ort waren und allen denen die täglich Menschen in Not helfen und sie unterstützen, auf Lesvos, auf den anderen Inseln, in Athen, Idomeni, dem Balkan, im Mittelmeer, in den Ankunftsländern und den Orten bevor sie nach Europa kommen danken, als auch denen die mit ihren Spenden die Arbeit vieler Organisationen und Freiwilligen möglich machen und damit Rettung und Hilfe für viele Menschen in Not ermöglichen. Wir sind froh, dass es in schwierigen Zeiten in Europa immer noch sehr viele Menschen gibt, die weiterhin dafür eintreten, dass Menschen in Not geholfen werden soll. Wir hoffen, dass positive Geschichten wie die heutige, die zwar äußerst kritisch war, zeigen, was mit gemeinsamer Hilfe und Willen, möglich ist und die dem Bild der allgegenwärtigen Not auch ein Signal entgegensetzt, das zeigt, dass trotz allem was zur Zeit aus unserer Sicht in Europa schief läuft, aufgrund der Leidenschaft und des Engagements vieler Menschen eines auch gut läuft und dass es Wert ist dafür weiterhin einzustehen und zu kämpfen.