Zukunftsaussichten

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Nach den Routinetätigkeiten des Tages, ärztlicher Versorgung und Mitkoordination der Busse haben Vanessa, Tobias und Julian am Nachmittag eine Ortsbegehung in der Käserei machen können. Mit dabei waren Dimitrakis, der für die Reparaturen verantwortlich ist, Maria und Nikos, die den Kontakt zu den griechischen Behörden hergestellt haben sowie Jannis, der Verwalter des Geländes. Ein paar Tage wird es noch dauern, bis wir das Zentrum eröffnen können, aber Dimitrakis versichert uns, dass er die anfallenden Reparaturen innerhalb von 2-3 Tagen erledigen kann. Auch die zunächst getätigte Aussage, dass wir keine Flüchtlinge ins Gebäude lassen dürfen, wird schnell revidiert und es wird uns erlaubt, dass wir in Notfällen, wie Regen oder Kälte die Menschen im unteren Bereich des Gebäudes schlafen lassen dürfen. Wir sind begeistert über das Entgegenkommen und den Platz, freuen uns auf die auf uns zukommende Arbeit und planen eifrig die Umsetzung. Auch die Kollegen von „Ärzte ohne Grenzen“ sind begeistert, dass nun endlich ein Platz im Norden der Insel entsteht, der den Flüchtlingen etwas zu bieten hat und der die ganze Arbeit erleichtert. Umgehend bieten sie an uns mit Material zu unterstützen sofern wir es brauchen. Wir sind erleichtert und euphorisiert und brennen darauf die Pläne in die Tat umzusetzen.

Leider bewahrheitet sich aber auch unsere Befürchtung, dass es mehr Todesfälle geben wird. Nach einem weiterem Toten gestern, wurden heute erneut drei Leichen geborgen, fünf weitere gelten als Vermisst. Jedoch besteht für uns wenig Hoffnung, dass sie noch lebend geborgen werden können. Fast zynisch ist daneben, die Ankündigung der Europäischen Union von vor einigen Tagen, die Frontex Mission in der Ägäis auszubauen und das Budget zu verdreifachen um den Zustrom von Flüchtlingen einzudämmen, indem sie in türkischen Gewässern Boote identifizieren und diese den türkischen Behörden melden, damit sie zurück in die Türkei gebracht werden. Die Frage was danach mit ihnen passiert scheint sekundär. Dass es Menschen davon abhalten wird den Versuch zu wagen nach Europa zu kommen ist auszuschließen. Denn die Menschen, die keine Perspektive in ihrer Heimat sehen werden alles versuchen um ihr Ziel zu erreichen. Die Wege werden vermutlich nur wesentlich gefährlicher werden, da sie versuchen werden die Grenzkontrollen zu umfahren, was zu längeren Fahrten auf offener See führen kann. Von ihrem Wunsch abbringen, in Europa eine Chance auf Leben zu haben werden diese Abschottungsmaßnahmen die Flüchtenden jedenfalls nicht. Denn nicht selten haben wir gehört, dass es ihre letzte Hoffnung ist und dass sie lieber hier dann auf See sterben als in der Heimat zu bleiben.