Sikaminia ohne Helfer

IMG_0245

Gestern Abend haben Tobias und Vanessa erneut ein Leben retten können. Paraskevas, der Restaurantbesitzer vom Kyma hatte uns kontaktiert und berichtet, dass am Strand vor seinem Restaurant eine 18-jährige Syrerin angekommen war, deren Puls bedenklich niedrig war und die nicht mehr ansprechbar war. Tobias und Vanessa verabreichten ihr Infusionen durch die der jungen Frau ein Liter an Flüssigkeit zugeführt wurde. Nach einer Stunde hatte sich ihr Puls stabilisiert und die junge Frau konnte zur Erleichterung aller wieder lächeln. Paraskevas kochte ihr persönliche eine Fischsuppe und aus den Gesprächen erfuhren wir, dass die junge Frau vier Tage nichts gegessen und sehr sehr wenig getrunken hatte. Wäre die Frau nicht behandelt worden, wäre sie vermutlich in den nächsten Stunden gestorben. Immer wieder zeigt sich, dass eine medizinische Versorgung unbedingt notwendig ist. Da der lokale Doktor zur Zeit am anderen Ende der Insel tätig ist, stellen unsere beiden Paramedics tatsächlich die einzige ärztliche Versorgung – nicht nur für die Flüchtlinge, sondern auch für die Griechen und auch für Touristen.

Als Julian abends mit anderen Helfern am Korakas unterwegs ist bietet sich ihnen ein beeindruckendes Bild. Auf dem Meer sind in kurzem Abstand 20 Boote in einer Linie unterwegs und steuern auf die Stände zu. Weitere starten gleichzeitig in der Türkei. Am Ende werden es über 30 Boote sein, die an diesem Abend und der Nacht ankommen sind, mehr als 1500 Menschen auf einmal. Und es ist klar, dass bisher niemand in der Lage ist so viele Menschen zu versorgen. Auch die Freiwilligen aus Molyvos, die bisher mit viel Herzblut die Erstversorgung in Sikaminia geleistet haben, können diese nun nicht mehr aufrecht erhalten. Gleichzeitig hat die Hafenpolizei in den letzten Tagen immer wieder die Busse für einige Stunden gestoppt, weil der Hafen von Mytilini überfüllt ist. Es bleibt den Helfern nichts anderes überig, als den Ankommenden die Lage zu erklären und ihnen zu sagen, dass vermutlich keine oder zu wenige Busse kommen werden. Es fällt uns schwer den Menschen dies mitzuteilen es ist immerhin unsere Pflicht den Menschen die Wahrheit zu sagen. In der Folge beginnen viele Menschen zu laufen. Immer deutlicher zeigt sich, dass nun langsam auch die schon bestehenden Hilfen zusammenbrechen. Die Helfer in Sikaminia bekommen die Anweisung sich zurück zu ziehen, um nicht durch zu wenige Hilfe mehr Chaos zu stiften. So bleibt uns allen nur, den Menschen wenigstens Informationen zu geben und darauf zu warten, dass wir am Dienstag starten können.