Sturm am Korakas

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Auf der Insel gab es in den letzten Tagen immer wieder heftige Regenschauer und Sturmböen, die die Überfahrt für die Menschen äußerst gefährlich machen. Auch heute Mittag zog sich der Himmel auf der Meerenge zwischen Korakas und der gegenüberliegenden türkischen Küste plötzlich zu und es kam zu heftigen Regenfällen mit starkem Wind. Als das Team sich unten am Leuchturm einen Überblick verschaffte, wiesen uns die dort sitzenden Fischer direkt auf mehrere Boote hin, die schon seit zwei Stunden versuchten gegen Wind und Strömung anzukommen um die griechische Küste zu erreichen. „Sie bewegen sich sehr langsam, wahrscheinlich geht ihnen bald der Sprit aus“, meint Panaiotis als er durch sein Fernglas schaut. Und tatsächlich scheint sich eines der Boote nicht mehr vorwärts zu bewegen. Das Team beschließt die Küstenwache zu benachrichtigen. „Es sind viele Boote in Seenot, wir haben alle Hände voll zu tun“, ist die Antwort. Trotzdem nähert sich nach gut 20 Minuten ein großes Marineschiff dem kleinen im Sturm treibenden Schlauchboot und nimmt die Insassen nach einigen Minuten an Bord. Andere Boote haben mehr Glück und kommen von selbst an, auch wenn immer wieder zwischenzeitlich die Motoren ausfallen und sie längere Zeit von den Wellen durchgeschüttelt werden. Oft legt sich der Sturm nach einigen Stunden wieder, aber eines ist klar: das Wetter wird von Tag zu Tag zunehmend schlechter. Trotzdem scheint auch das die Flüchtenden nicht davon abzuhalten die riskante Fahrt, so gefährlich sie auch sein mag, zu wagen, in der Hoffnung Europa lebend zu erreichen. Angesichts dieser weiterhin stattfinden Versuche und dem bevorstehenden Winter müssen wir leider davon ausgehen, dass sich die Meldungen über gesunkene Schlauchboote vor den ägäischen Inseln in den nächsten Monaten häufen werden.